WARBL – MIDI für Dudelsackspieler

Das WARBL ist ein Blascontroller, der sich in erster Linie an Tin-Whistle- und Dudelsackspieler richtet. Die ersten WARBL-Blaswandler wurden Mitte 2019 ausgeliefert.

Das WARBL gehört für mich zu den Exoten unter den Blaswandlern, die ja selbst als Instrumentengruppe bereits Exoten sind. Der Hersteller (ein privater Instrumentenbauer aus den USA) bezeichnet das WARBL als USB-MIDI-Blasinstrument. Entwickelt hat er das Instrument in erster Linie, um traditionelle Instrumente mit offenen Tonlöchern zu simulieren, insbesondere Tin Whistles/Flöten und Dudelsack.

Reiner MIDI-Blascontroller

Als reiner MIDI-Blascontroller erzeugt das WARBL selbst keine Töne. Es hat also keine integrierte Soundbibliothek und kann  deshalb nicht "für sich alleine" gespielt werden wie andere Blaswandler, zum Beispiel das EWI5000 oder das Aerophone AE-10. Um mit dem WARBL zu musizieren, muss es über einen USB-Anschluss an einen PC oder auch ein Smartphone mit MIDI-Synthesizer-App angeschlossen werden.

Eine eigene Stromquelle benötigt das WARBL übrigens nicht. Es bezieht die benötigte Energie vom angeschlossenen PC oder Smartphone.

Fingersätze beim WARBL

Voreingestellt sind beim WARBL laut Hersteller vier Fingersätze: Tinwhistle/Flöte und drei Griffssysteme von verschiedenen Dudelsackmodellen (irischer Dudelsack/Uilleann, GHB/smallpipes und Northumbria). Damit setzt das WARBL auch beim Griffsystem konsequent auf jene Instrumente, die es von der Form her imitieren will. Das bedeutet aber auch, dass das WARBL kaum ein massentauglicher Blaswandler sein wird, mit dem sich viele Blasmusiker wohlfühlen. 

Update April 2020: Mit der Firmware-Version 1.7 wurden dem WARBL weitere Fingersätze spendiert. Hinzugekommen sind zwei saxophonähnliche Fingersätze, der klassische Blaswandler-Fingersatz für Trompete (EVI-Fingersatz) und der Fingersatz der japanischen Shakuhachi.

Tonlöcher und optische Sensoren

Spannend ist beim WARBL ein Ansatz, den ich noch bei keinem anderen elektronischen Blasinstrument gesehen habe. Das WARBL hat "echte Tonlöcher", wie es bei einem Dudelsack oder der Thin Whistle üblich ist und orientiert sich dabei sehr stark an den realen akustischen Vorbildinstrumenten.

Eine weitere Besonderheit sind die optischen Infrarot-Sensoren in den Tonlöchern, mit welchen die Fingerposition gemessen werden kann. Damit stellt das WARBL kontinuierlich fest, ob ein Finger das Loch komplett zudeckt oder ein Abstand zum Tonloch besteht. Aufgrund dieser Information kann das WARBL zum Beispiel Pitch-Bend-Anweisungen über MIDI weiterleiten und somit ein Pitchbending (gleitende Tonhöhenänderung) ermöglichen.

Ein Nachtteil der Infrarotsensoren könnte allerdings sein, dass sie bei hellem Licht (z. B. bei direkter Sonneneinstrahlung) nicht mehr zuverlässig funktionieren. Im Dunkeln hingegen ist das kein Problem. Kein anderer mir bekannter Blaswandler nutzt diese Infrarot-Technik. Normalerweise haben die Blaswandler berührungsempfindliche Tasten (EWI5000) oder mechanische Tasten (Aerophone AE-10). 

Mundstück oder Dudelsack

Das WARBL hat wie alle Blaswandler einen Drucksensor, mit welchem der Anblasdruck gemessen wird. Als Mundstück dient standardmässig ein einfaches Kunststoffrohr, in welches geblasen wird.

Auch hier zeigt das WARBL wieder seinen selbst für Blaswandler exotischen Charakter. Statt des Standardmundstücks kann nämlich auch ein "Dudelsack" angeschlossen werden. Dieses optionale Dudelsack-Set besteht aus einem einfachen Kunststoffbeutel, der als Dudelsack verwendet werden kann. Man bläst den Beutel auf die gewünschte Menge auf und schliesst ihn dann anstelle des normalen Mundstücks an das WARBL an. So kann das WARBL fast wie ein echter Dudelsack gespielt werden, 

Die Anlehnung an den Dudelsack zieht das WARBL also von der Form der "Pfeife" über das Griffsystem bis zum Mundstück oder eben den "Dudelsack" konsequent durch.

WARBL ist ein günstiger Blaswandler

Die Kosten des WARBL liegen bei 250 US-$, wenn man die Standardvariante kauft. Das "Dudelsackset" mit dem Dudelsackbeutel kostet zusätzlich 10 $. Spieler der irischen Sackpfeife (uilleann bagpipe) erhalten für weitere 25 $ einen Zusatzsensor, um die Spieltechnik "on the knee" zu simulieren.

Fazit: spannendes Konzept, aber kaum massentauglich

Ohne das WARBL ausprobiert zu haben, sieht für mich das Fazit zweigeteilt aus.

Einerseits finde ich das WARBL ein sehr interessantes Konzept und bei Flöten- und Dudelsackspielern könnte es durchaus Anklang  finden. Einer meiner Nachbarn spielt Dudelsack. Ich kann deshalb aus eigener Erfahrung sagen, wie laut das Instrument ist, auch wenn ich den Ton eigentlich mag. Als "geräuschloses" Übungsinstrument, das über PC und Kopfhörer gespielt werden kann, hat das WARBL deshalb möglicherweise eine gute Zukunft vor sich.

Andererseits ist das WARBL zu wenig massentauglich. Sein grösster Vorteil, nämlich die starke Anlehung an das reale Vorbild Dudelsack bzw. Thin Whistle, ist gleichzeitig sein grösster Nachtteil. Welcher Musikant kauft sich ein WARBL, wenn er auf Blaswandler grosser Hersteller wie Roland (Aerophone AE-10) oder Akai (EWI5000) zurückgreifen kann, die sich an weitverbreitete analoge Instrumente wie das Saxophon anlehnen? Die meisten werden auf bewährte Blaswandler zurückgreifen, bevor sie sich auf ein "Abenteuer" mit dem WARBL einlassen, denke ich.

Insgesamt glaube ich deshalb, dass das WARBL innerhalb der Nische der Blaswandler ein Nischenprodukt bleiben wird.