Vindor ES1 – günstige MIDI-Klarinette für Einsteiger

*** Dieser Beitrag wird demnächst überarbeitet, da er nicht mehr ganz aktuell ist: das neuste zum Vindor ES2 findest du hier ***

Das Vindor ES1 ist wie das Travel Sax aus einem Kickstarterprojekt entstanden. Offiziell wird es als elektronisches Saxofon angepriesen. Das Mundstück und die Form sind meines Erachtens aber eindeutig näher an der Klarinette als am Saxofon. Wie dem auch sei, das Vindor ES1 richtet sich wie viele andere Blaswandler eindeutig an Saxofonspieler oder Klarinettisten. Vindor Music, der Hersteller, verspricht mit dem Vindor ES1 aber allen einen möglichst einfachen Einstieg in die Welt der elektronischen Blasinstrumente – oder in die Welt der Instrumente und der Musik überhaupt.

Vindor ES1 ist verhältnismässig preisgünstig

Das Vindor ES1 ist mit 249 US-Dollar relativ preisgünstig im Vergleich zu anderen Blaswandlern (siehe meinen Preisvergleich hier). Erreicht wird dies, indem das Vindor ES1 auf komplizierte Mechanik und Technik verzichtet sowie auf eine kompakte Grösse setzt. Die Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten sind auf das Nötigste reduziert, sodass das Instrument aus meiner Sicht dem Motto entspricht: "So einfach wie möglich, aber so viel wie nötig." Anfängern, Fortgeschrittenen, aber auch professionellen Musikern soll dadurch eine gute Lösung mit dem Vindor ES1 geboten werden. 

Klangumfang des Vindor ES1

Mit dem Vindor ES1 kannst du Klänge über maximal 4 Oktaven erzeugen. Das Instrument hat standardmässig allerdings einen Basic-Mode programmiert, der nur einen Umfang von zwei Oktaven zulässt. Der Hersteller will damit Anfängern den Einstieg erleichtern. Erzeugt werden die unterschiedlichen Oktaven mit dem Daumen über zwei Oktavtasten auf der Rückseite des Instruments. 

Wer einen grösseren Tonumfang nutzen will, kann über die Konfiguration des Instruments einen 4-Oktav-Modus einstellen. Die vier Oktaven werden mit verschiedenen Tastenkombinationen ebenfalls mit den zwei Oktavtasten auf der Instrumentenrückseite ausgewählt. Mit den Topmodellen von Roland oder Akai, die bis zu 8 Oktaven schaffen, kann das Vindor ES1 also nicht mithalten, mit einer handelsüblichen Klarinette allerdings schon – ich spiele als Hobbymusikant auf der Klarinette auf jeden Fall keine 4 Oktaven.

Vindor ES1 mit berührungsempfindlichen Tasten

Das Vindor ES1 geht einen Weg wie das EWI5000 von Akai und verzichtet auf eine Mechanik mit Hebeln, Klappen und Pölsterchen. Die Tasten sind stattdessen berührungsempfindlich. Nach meiner Erfahrung (mit dem EWI5000) hat dies zwar den Vorteil, dass damit Defekte (abgebrochene Tasten und Klappen) verhindert werden; allerdings ist es gewöhnungsbedürftig, wenn man sich von der Klarinette oder vom Saxofon mechanische Hebel und Klappen gewöhnt ist.

Im Unterschied zu komplexeren Blaswandlern wie dem Aerophone AE-10 von Roland oder dem Akai EWI5000 hat das Vindor ES1 zudem ein vereinfachtes Griffsystem. Grundsätzlich orientiert sich das Layout an der Mechanik des Saxofons, verzichtet aber auf die seitlichen Klappen, die es beim Saxofon gibt. Beim Aerophone AE-10 gibt es dafür eigene Knöpfe, nicht aber beim Vindor ES1.

Fingersätze des Vindor ES1

Obwohl das Vindor ES1 nicht alle Tasten hat, die man auf einem traditionellen Saxophon findet, orientiert sich der Standardfingersatz am Saxofon. Vindormusic hat zudem weitere Fingersätze angekündigt, z. B. Fingersätze von Klarinette oder Querflöte. Allerdings gibt es diese nach meinem Wissensstand aktuell noch nicht. Sobald sie verfügbar sind, sollen sie kostenlos heruntergeladen und auf dem Vindor ES1 installiert werden können. 

Falls du mehr zu den Fingersätzen bei anderen Blaswandlern erfahren willst, habe ich dazu diesen Beitrag hier zu den Griffsystemen unterschiedlicher elektronischer Blasinstrumente geschrieben.

Klarinettenmundstück für MIDI-Daten beim Vindor ES1

Je nach der Art, wie du in das Mundstück bläst, produziert das Vindor ES1 MIDI-Daten, die über USB an einen Computer oder einen externen Synthesizer gesendet werden können. Jede App, die MIDI unterstützt, sollte so mit dem Vindor ES1 funktionieren. Die meisten Synthesizer-Apps unterstützen meines Wissens MIDI, auch wenn sie dies nicht ausdrücklich sagen. Standardmässig verhält sich das Vindor ES1 wie ein MIDI-Keyboard.

Vindor ES1 mit iPad/iPhone kompatibel

Das Vindor ES1 kannst du auch mit einem iPad oder iPhone verwenden. Der Blaswandler kann nämlich an den Apple-Kameraadapter angeschlossen werden. Apple hat zwei Versionen seines USB-Adapters. Sie können beide mit dem Vindor ES1 verwendet werden: MD821AM Compact adapter und MK0W2AM Chainable adapter. Durch diese Anschlussmöglichkeit ist das Vindor ES1 kompatibel mit jedem iOS-Synthesizer.

Standardmäßig mischt das Vindor ES1 den Ausgang des iPhone/iPads mit seinem eigenen Sound zum Hören über die Kopfhörerbuchse des Vindor ES1. Wenn du nur den Audioausgang des iPhones hören willst, kannst du die Kopfhörer direkt an das iPhone anschließen oder den Synthesizer des Vindor ES1 über das Menü ausschalten: Sys / Synth / Aus.

Weitere Anschlüsse und Energieversorgung des Vindor ES1

Der Vindor ES1 hat sowohl Kopfhörer- als auch Gitarrenverstärkerbuchsen. Die Buchsen können dynamisch den Typ des angeschlossenen Geräts erkennen, um die entsprechenden Signale für einen Kopfhörer, einen Verstärker oder einen Line-Pegel-Empfänger zu senden.  

Fazit: Vindor ES1 ist ein günstiges Einsteigermodell

Das Vindor ES1 ist aus meiner Sicht ein günstiges Einsteigermodell in die Welt der Blaswandler. Es hat eine sehr einfache Form (die mir persönlich gut gefällt), keine kompliziertes Tastenlayout und ein offensichtlich massentaugliches Mundstück, mit welchem insbesondere Klarinettisten und Saxofonisten keine Probleme haben dürften. Zwischenzeitlich hat Vindormusic den Preis sogar auf 199 $ gesenkt.

Allerdings bin ich nicht sicher, wie es mit dem Instrument weitergeht. Auf Amazon war es ebenfalls gelistet, ist inzwischen aber dort nicht mehr erhältlich. In einem Blogbeitrag bei Vindormusic vom Oktober 2019 wurden Beta-Tester für die neue Firmware gesucht, seither hört man aber nichts mehr. Ich werde die Website sporadisch im Auge behalten. Aktuell macht es aber den Anschein, als ob das Projekt langsam aber sicher im Sand verlaufen wird.