Das Synthophon wird von einem Schweizer Instrumentenbauer hergestellt. Als einziger mir bekannter Blaswandler nutzt das Synthophone ein "reales" akustisches Instrument als Grundlage, nämlich das Saxophon. Vielleicht ist das Schweizer MIDI-Saxophon deshalb verhältnismässig teuer.

Wenn du ein Synthophone kaufst, erhältst du ein "richtiges" Altsaxophon, das aber nicht mehr wie ein solches funktioniert, sondern zu einem Blaswandler modifziert ist. Ein zum Synthophone umgerüstetes Altsaxophon hat die Elektronik, die für ein elektronisches Blasinstrument notwendig ist, im Trichter des Instruments verbaut.

Die ersten Synthophone-Modelle wurden gemäss Herstellerangaben bereits 1981 entwickelt, also zu einer Zeit, als es MIDI gar noch nicht gab – das Musical Instrument Digital Interface wurde mit der Version MIDI 1.0 erst ein Jahr später eingeführt. Das heutige Synthophone gibt es seit 1986. Der Preis des Schweizer Blaswandlers liegt je nach Quelle im Bereich von 3500 bis 5000 Franken. Der Hersteller SOFTWIND macht auf seiner Website keine Preisangaben.

Sensoren unter den Klappen

Wer das Synthophone betrachtet, bemerkt, dass ein Deckel den Becher des Instruments verschliesst, denn darin ist die wichtige Elektronik verbaut. Ansonsten sieht das Instrument noch immer wie ein handelsübliches Yamaha YAS-280 aus. Auf den zweiten Blick gibt es dann aber weitere Unterschiede zwischen einem akustischen Saxophon und dem Synthophone. Beim Synthophon hat es unterhalb der Klappen feine Sensoren und Schalter, welche wahrnehmen, welche Klappen und Tasten der Musiker drückt.

Griffsystem des Synthophones

Da die Klappenmechanik dem Altsaxophon entspricht, können beim Synthophon exakt dieselben Griffe wie beim Originalinstrument verwendet werden. Dies kommt Saxophonspielern sicher entgegen, dürfte aber alle anderen Blasmusiker davon abschrecken, ein Synthophon zu kaufen, da andere elektronische Blasinstrumente (z. B. EWI5000 oder Aerophone AE-10) deutlich mehr Fingersätze zur Verfügung stellen. Mehr Informationen zu den Griffsystemen bei unterschiedlichen digitalen Blasinstrumenten findest du hier.

Abdecken kannst du mit den Oktavklappen des Synthophones einen Tonumfang von ungefähr acht Oktaven. Die Grundstimmung des Instruments kann zudem in C, in Es oder in B transponiert werden.

Keine Panik

Lustig, aber eine gute Idee finde ich die "Panik-Funktion". Wenn du beim Synthophone drei bestimmte seitliche Klappen gleichzeitig drückst, wird das Instrument auf die Standardeinstellungen zurückgesetzt. Das kommt in Notfällen bei einem Live-Auftritt oder zu Hause sicherlich gelegen, wenn du irgendwelche Einstellungen des Syntophones verändert hast und plötzlich nicht mehr weisst, was du wie und weshalb verändert hast. Die Panikfunktion hilft dabei, rasch auf eine brauchbare Grundeinstellung zu wechseln.

Umgebautes Mundstück

Das Mundstück des Synthophones ist ein umgebautes Saxophonmundstück. Darin versteckt ist ein elektrischer Steckverbinder, der mit seinem Gegenstück im S-Bogen beim Aufstecken des Mundstücks verbunden wird. Die Daten der Sensoren im Mundstück werden so an die Elektronik im Becher des Synthophones weitervermittelt. Wenn du in das Synthophone bläst, wird die Atemluft also nicht mehr durch das ganze Instrument geleitet wie beim akustischen Saxophon, sondern tritt bereits beim Mundstück wieder aus. Die Luft erzeugt keinen direkten Ton, sondern wird von den Sensoren wahrgenommen und in MIDI-Signale umgewandelt. Daraus wird dann z. B. über ein externes Soundmodul ein synthetischer Klang erzeugt.

Blasdruck, Lippendruck etc.

Auf dem Mundstück des Synthophones ist wie beim akustischen Saxophon ein Rohrblatt montiert. Auf der Rückseite des Blattes ist aber eine Metallzunge mit einem kleinen Magneten an der Spitze befestigt. Diese Metallzunge ist entscheidend, dass der Lippendrucksensor richtig funktioniert. Durch den Lippendruck verändert sich nämlich der Abstand der Metallzunge zu einem Sensor, wodurch der Elektronik des Synthophones vermittelt wird, was der Musiker beabsichtigt. Beim Mundstück werden so verschiedenste Parameter bestimmt und in ein digitales Midi-Signal umgewandelt. Die Analyse und Umwandlung dieser Parameter ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass das Synthophone beispielsweise eine Luftdruckschwankung als Tremolo oder als neuen Ton erkennt. In den folgenden zwei Abschnitten habe ich Beispiele aufgeführt, was beim Synthophone mit dem Blas- oder Lippendruck gesteuert werden kann.

Dynamik und Volumen durch Blasdruck

Die Blasdynamik kann beim Synthophone für unterschiedliche Instrumente eingestellt werden. So kannst du unterschiedliche Charaktereigenschaften von realen akustischen Instrumenten beim Synthophone berücksichtigen, um eine natürliche Blasdynamik zu erhalten.

  • Wenn du beispielsweise über ein externes Soundmodul einen Klarinettensound mit dem Synthophone spielst, willst du einen dynamischen Bereich damit abdecken können, der von einem Pianissimo bis zu einem Fortissimo reicht.
  • Bei einem Perkussionsklang ist der dynamische Bereich vielleicht weniger wichtig, weil du einfach eine Abfolge von Schlagzeugschlägen in einer bestimmten Lautstärke spielen willst.
  • Bei einer Violine oder einem Cello ist der dynamische Umfang hingegen wieder wichtiger. Die Saiten bei Streichinstrumenten klingen aber länger aus als der Klang eines Blasinstrumentes, der mehr oder weniger sofort abbricht, sobald man nicht mehr in das Instrument bläst.

Sechs verschiedene Einstellungsstufen stehen beim Synthophone zur Verfügung, um verschiedene Dynamikbereiche einzustellen und so auf das akustische Vorbild auszurichten.

Pitchbend oder Modulation durch Lippendruck

Mit dem Lippendruck kannst du beim Synthophone die Intensität des Vibratos beeinflussen. Es kann zwischen sechs voreingestellten Modulationsstufen gewählt werden, welche festlegen, wie stark das Vibrato sein soll. Falls du für einen Sound gar kein Vibrato möchtest, kannst du die Modulation auch auf die Stufe 0 stellen.

Ein Pitchbending, das heisst eine stufenlose Veränderung der Tonhöhe, ist mit dem Synthophone ebenfalls möglich. Pitchbending kann mit dem Ansatz über das Mundstück des Synthophones gesteuert werden; die Tonkrümmungen nach oben oder unten sind je nach gewählter Voreinstellung stärker oder schwächer.

Ersatzblätter für das Synthophone

Ersatzblätter werden beim Synthophone ebenfalls mitgeliefert. Es gibt aber auch Synthophone-Spieler, die eigene Blätter verwenden und die Metallzunge darauf montieren. Dies ist grundsätzlich mit allen Holz- oder Plastikblättern und für alle Blattstärken möglich. Du kannst also deine eigenen Blätter weiter benutzen, allerdings ist etwas Handarbeit gefragt, um die Metallzunge darauf perfekt zu montieren. Normale Blätter direkt aus der Schachtel funktionieren mit dem Synthophone nicht.

Wireless-MIDI nachrüstbar

Das Synthophone hat keine integrierte Soundbibliothek wie beispielsweise das EWI5000 oder das Aerophone AE-10. Das Synthophone ist also ein reiner MIDI-Blascontroller und muss über die MIDI-Buchse an einen externes Soundgerät, zum Beispiel einen Synthesizer, oder einen Computer über ein MIDI-USB-Kabel angeschlossen werden (den benötigten Strom bezieht das Synthophone übrigens auch über das MIDI-Kabel). Von diesen externen Geräten werden die MIDI-Befehle des Synthophones dann in einen Klang umgewandelt. Natürlich muss auch ein Verstärker- bzw. Lautsprechersystem verbunden sein. 

Wer will, kann sein Synthophone auch kabellos spielen. Dazu muss allerdings das Synthophone-Wireless-MIDI-System zusätzlich gekauft werden. Das Wireless-Kit besteht aus einem batteriebetriebenen Wireless-MIDI-Transmitter, der an das Synthophone angeschlossen wird, und einem MIDI-Receiver, der an den Computer bzw. ein externes Soundmodul angeschlossen wird.

Fazit: Teurer Saxophon-Blaswandler-Hybrid

Ich habe Hochachtung vor dem Instrumentenbauer, welcher das Synthophone entwickelt hat. Das Instrument ist nach meiner Einschätzung als Blaswandler absolut tauglich und scheint gemäss den im Internet verfügbaren Informationen auch relativ zuverlässig zu funktionieren. Weil es auf einem realen Saxophon aufbaut, übernimmt das Synthophone aus meiner Sicht aber gewisse Nachteile dieses akustischen Instruments und verzichtet auf die Vorteile eines modernen Blaswandlers:

  • Falls du einen MIDI-Blascontroller suchst, erhältst du beispielsweise mit dem Aodyo Sylphyo deutlich mehr Flexibilität in den Ausdrucksmöglichkeiten und Tastenlayouts als beim Synthophon. Das Sylphyo berücksichtigt nicht nur den Luftstrom und die gedrückten Tasten bei der Tonerzeugung, sondern sogar die Bewegungen, die du mit dem Instrument machst.
  • Wer einen saxophonähnlichen Blaswandler kaufen will, der als MIDI-Controller eingesetzt werden kann, aber auch über eine umfangreiche integrierte Soundbibliothek verfügt, ist mit dem Aerophone AE-10 besser bedient.
  • Wenn man noch das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachtet, kann das Synthophone ebenfalls nicht mit den modernen digitalen Blasinstrumenten mithalten. Das Schweizer MIDI-Saxophon ist von allen mir bekannten Blaswandlern mit Abstand das teuerste Instrument, das heisst ca. dreimal so teuer wie die Topmodelle der grossen Hersteller Akai (EWI5000) oder Roland (Aerophone AE-10).

Aus genannten Gründen erachte ich das Synthophone zwar als guten Blaswandler, der aber keine entscheidenden Vorteile gegenüber der Konkurrenz bietet und deshalb zu teuer ist. Wer ein Synthophone kauft, entscheidet sich nicht dafür, weil es besser ist als andere Blaswandler, sondern weil er ein Synthophone will (warum auch immer).