Faraday Z1 – elektronische Blockflöte mit stolzem Preis

Die elektronische Blockflöte Faraday Z1 ist zwischen 2016 und 2018 aus einem Kickstarter-Projekt entstanden. Ob der sogenannte eCorder den Prototyp-Status überwunden hat und zu einem kompletten Blaswandler geworden ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Die E-Blockflöte Faraday Z1 wird von einem kleinen US-Forschungs- und Entwicklungsunternehmen hergestellt, das sich auf Soft- und Hardwaredesign konzentriert. Ich weiss nicht, ob die Kinder in den USA auch mit der Blockflöte beginnen, aber bei uns in der Schweiz ist das so – fast jeder, ob Profimusiker oder Amateur-Musikant, hat den Einstieg in die Musik über die Sopranblockflöte gefunden. Was liegt also näher, als einen Blaswandler zu entwerfen, der sich an der Blockflöte orientiert? Die Faraday Z1 hat so automatisch eine grössere potenzielle Zielgruppe als zum Beispiel Roland mit dem Aerophone AE-10, das sich in erster Linie an Saxofonistinnen und Saxofonisten richtet. 

Eine potenziell grosse Zielgruppe macht aber natürlich noch keinen erfolgreichen Blaswandler aus, weshalb ich im Folgenden die wichtigsten Eigenschaften der Faraday Z1 zusammengetragen habe, die auf der Herstellerwebsite verfügbar waren (www.ecorder.io)

Kurzübersicht über die Faraday Z1

Die Faraday Z1 hat einen Netzschalter, zwei physischen Tasten (Reset und Recal) und eine Reihe von berührungsempfindlichen Tasten und Schiebereglern. Bei den berührungsempfindlichen Tasten gibt es ein haptisches Feedback, damit man weiss, dass die Taste "gedrückt" wurde. Um ausgewählte Modi und Einstellungen anzuzeigen, sind in der Faraday Z1 zudem LEDs verbaut.

Das blockflötenähnliche Mundstück ist abnehmbar und sollte laut Hersteller nach dem Spielen entfernt werden, um überschüssiges Kondenswasser auszuschütteln, damit das Gerät austrocknen kann. Gemäss Bedienungsanleitung ist dies allenfalls auch zwischendurch während des Spielens notwendig.

Griffsystem der Faraday Z1

Das Tastenlayout der Faraday Z1 entspricht (logischerweise) der Blockflöte, wobei es sich wie erwähnt nicht um klassische Tonlöcher handelt, sondern um berührungsempfindliche Tasten. Dies hat zur Folge, dass auf der Rückseite kein klassisches Tonloch für den Daumen vorhanden ist, womit die Oktave verändert werden kann. Stattdessen gibt es oberhalb und unterhalb der "Daumentaste" (für die Standardoktave) je eine Zusatztaste, um eine Oktave nach unten oder oben zu schalten. Die Daumentaste erkennt aber auch die halb offene Position des Daumens auf der Daumentaste, die bei der analogen Blockflöte zum Überblasen in die höhere Oktave dient. Somit sind mit der Faraday Z1 mehrere Oktaven möglich, die den Tonumfang aller Blockflötenmodelle abdeckt, von der Bassblockflöte bis zum Sopranino.

Genutzt werden können zwei unterschiedliche Fingersätze, Basic und Advanced, die beide auf dem Fingersatz der Blockflöte basieren. Beim Advanced-Fingersatz sind zusätzliche Grifftechniken möglich, zum Beispiel das sogenannte Fingervibrato (engl. flattement). Damit ist eine Art Triller mit einem tieferen Nachbarton gemeint, wobei das Intervall weniger als einen Halbton ausmacht. Erreicht wird dies, indem ein Finger mit rascher Wiederholung eine Taste der Faraday Z1 nur teilweise zudeckt. Dies bewirkt eine Art Vibrato, das aber nicht durch Druckschwankungen im Luftstrom ausgelöst wird, wie zum Beispiel durch die Veränderung des Ansatzes beim Saxophon, sondern diese besondere Grifftechnik.

Interne Sounds und MIDI

Einen eingebauten Lautsprecher hat die Faraday Z1 nicht. Du kannst aber über den Stereo-Output (3.5mm-Buchse) zum Beispiel einen Kopfhörer anschliessen, um zu hören, was du mit der Faraday Z1 spielst. 

Weiter ist bei der Faraday Z1 ein interner Synthesizer eingebaut, der über insgesamt 24 gespeicherte Patches verfügt. Ausgewählt werden können Sie über 4 Programmwahltasten und mithilfe von Up-/Down-Tasten. Laut Hersteller können sich die Einzelheiten der einzelnen Patches mit zukünftigen Software-Updates ändern.

Wie es bei einem Blaswandler zum guten Ton gehört, ist bei der Faraday Z1 auch ein Standard MIDI-Port vorhanden, um MIDI-Signale zu übermitteln, wodurch das Instrument als MIDI-Controller für externe Software- oder Hardwaresynthesizer genutzt werden kann.

Schliesslich kann andie Faraday Z1 ein Standard-USB-Minikabel angeschlossen werden, womit z. B. die Batterie aufgeladen werden kann, wenn das Gerät ausgeschaltet ist.

Preis der Faraday Z1 nicht konkurrenzfähig

Ich gehöre nicht zur Geiz-ist-geil-Generation. Die Kosten für einen Blaswandler stehen für mich deshalb nicht an erster Stelle. Der Preis für die Faraday-Z1-Blockflöte ist aber doch recht heftig. Rund 1750 US-Dollar muss man dafür hinblättern. Damit gehört die Faraday Z1 zu den hochpreisigen Blaswandlern. Aus meiner Sicht lohnt es sich deshalb, zuerst noch Alternativen zu prüfen. Beispielsweise ist das Anfängermodell von Roland, das Aerophone mini, ebenfalls an die Blockflöte angelegt und kostet nur etwa 300 Euro.

Kurzfazit zum eCorder "Faraday Z1"

Wer einen kleinen, innovativen Blaswandlerhersteller unterstützen möchte, darf sich gerne eine Faraday Z1 kaufen. Ich habe das Instrument bisher noch nicht live gesehen oder testen können, anhand der Produktspezifikationen und der wenigen Youtube-Videos ist aber davon auszugehen, dass der eCorder durchaus seinen Dienst tun kann.

Optisch sieht die Faraday Z1 für mich allerdings etwas "handgestrickt" aus. Es wirkt noch zu stark so, als ob ein Tüftler etwas zusammengebastelt hat, vor allem wenn man es mit den Designs anderer Blaswandler vergleicht. Im Moment hat das Instrument deshalb aus meiner Sicht die Prototyp-Phase noch nicht definitiv hinter sich gelassen.

Weiter dürfte der Preis des eCorders für viele ein Killerkriterium sein: Für die verlangen 1750 US-Dollar erhält man deutlich ausgereiftere Blaswandler der grossen Hersteller Roland (Aerophone AE-10) oder Akai professional (EWI5000) und kann sich gleich noch externe Lautsprecher, Kopfhörer oder andere Accessoires dazukaufen.