Aerophone mini – die E-Blockflöte für Einsteiger

Das Aerophone mini wurde von Roland 2019 als drittes Modell der Aerophone-Serie lanciert. Es ist ein Einsteiger-Modell für Anfänger und orientiert sich an der Blockflöte. Preislich ist es mit rund 300 Franken erschwinglich, dafür im Funktionsumfang eingeschränkt. 

Das Aerophone mini  (auch Aerophone AE-01 genannt) gehört mit einem Gewicht von 500 Gramm zu den leichtesten Blaswandlern auf dem Markt (siehe: Wie viel wiegen Blaswandler) und ist das kompakteste Instrument der Aerophone-Serie von Roland. Es ist das erste Modell von Roland mit einer geraden Form. Es hat mich deshalb auf den ersten Blick eher an ein abgewandeltes EWI der Roland-Konkurrenz Akai professional erinnert (z. B. EWI5000), denn an einen kleinen Bruder von Aerophone GO und Aerophone AE-10. Betrachtet man allerdings die Form des Mundstücks und die Rillen des eingebauten Lautsprechers, ist die Verwandtschaft zu den anderen Aerophone-Modellen eindeutig ersichtlich.

Kosten Roland Aerophone mini

Das Aerophone mini kostet bei allen mir bekannten Anbietern knapp 300 Euro. Es gehört preislich somit zu den eher günstigen Blaswandlern, ist aber auch ein Einsteigermodell.

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Fingersatz des Aerophone AE-01

Das Tastenlayout des Aerophone mini orientiert sich an der Blockflöte – und konsequenterweise auch der vorprogrammierte Fingersatz. Dies soll es Anfängern erleichtern, das Instrument zu erlernen. Wer bereits ein Instrument spielt, dürfte auch kein Problem haben, sich fingertechnisch zurechtzufinden, zumal das erste Instrument vieler (Hobby-)Musiker die Blockflöte gewesen sein dürfte, auch wenn sie nun Saxophon, Trompete oder Fagott spielen.

Zwei mit Aerophone mini kompatible Mundstücke

Beim Mundstück des Aerophone mini können zwei Varianten genutzt werden. Standardmässig liefert Roland meines Wissens ein saxophonartiges Mundstück mit einem Plastikrohrblatt, das auch beim Aerophone GO/AE-05 eingesetzt wird (Bezeichnung: OP-AE05MPH). Da das Aerophone mini allerdings keinen Biss-Sensor hat – im Unterschied zu den anderen Aerophone-Modellen – hat es keinen Einfluss, wie stark du das Rohrblatt an das Mundstück presst. Die Funktion des Rohrblatts wird somit hinfällig.

Wer nicht Saxophon oder Klarinette spielt, ist möglicherweise besser bedient mit dem zweiten Mundstück, das zum Aerophone mini passt: dem OP-AE01MP. Dieses Mundstück hat eine runde Form (ähnlich wie bei einer Schnabeltasse für Kleinkinder), die verhindert, dass ungewollt Luft austritt, wie dies bei einem Rohrblattmundstück der Fall ist, wenn man nicht weiss, wie man Luftstrom und Druck auf das Rohrblatt aufeinander abstimmt.

Einen Überblick zu den Mundstücken von Blaswandlern habe ich auch in einem separaten Beitrag hier zusammengefasst.

Anblas-Sensor, aber kein Biss-Sensor 

Wie die anderen Aerophones verfügt das Aerophone mini aber über einen Anblas-Sensor. Dieser misst die Stärke des Luftstroms, den du in das Mundstück bläst. Dadurch wird es möglich, laut oder leise zu spielen. Wie empfindlich der Anblas-Sensor reagiert, kannst du auf einer Skala von 5 Stufen einstellen. Die Stufen 1 und 2 empfiehlt Roland für Anfänger, weil damit ein Fortissimo sehr einfach erreicht werden kann. Stufe 3 entspricht am besten einem analogen Blasinstrument und bei den Stufen 4 und 5 muss man dann schon ziemlich stark reinblasen, dass das Aerophone mini ein Fortissimo erzeugt.

Das Aerophone mini hat wie oben bereits erwähnt keinen Biss-Sensor, weshalb du kein Vibrator erzeugen kannst bzw. ein Vibrato nicht verhindern kannst. Wenn ein Sound (zum Beispiel bei der Oboe) bereits mit einem Vibrato oder ohne Vibrato programmiert ist, musst du beim Aerophone mini damit leben. 

Beschränkte Soundauswahl beim Aerophone mini

Ein grosse integrierte Soundbibliothek gibt es beim Aerophone mini nicht. Gerade einmal 6 Sounds kannst du auswählen. Immerhin sind die Bläsersounds in der Mehrzahl, wie es sich aus meiner Sicht für ein elektronisches Blasinstrument gehört (sonst kauf ich ein Keyboard ... :-)

  • Saxofon
  • Querflöte
  • Klarinette
  • Trompete
  • Violine
  • Saw Leads (Synthesizer)

Praktisch ist, dass diese kurze Soundliste auf der Rückseite des Instruments auf der Batterieabdeckung aufgedruckt ist. So hast du die Liste immer beim Instrument dabei und musst keine A4-Blatt mitschleppen wie beim Aerophone AE-10 (128 Sounds; Beispiele hier), um den gewünschten Sound rasch zu finden.

Mehr Sounds auf der Aerophone-mini-Plus-App

Falls du mehr Abwechslung brauchst, kannst du die Aerophone-mini-App herunterladen, die dir Zugriff auf weitere 50 Sounds bietet. In der Soundpalette enthalten sind verschiedene Saxofone und andere traditionelle Holzblasinstrumente wie Fagott, Oboe oder Blockflöte. Aber auch exotische Instrumente wie Dudelsack oder Shakuhachi sind darunter zu finden. Die Sounds aus der App können über dein Mobilgerät wiedergegeben werden, sobald du die App über Bluetooth mit dem Aerophone mini gekoppelt hast.

Die App gibt es als Android-Variante (hier) oder iOS-Variante (hier). Nötig sind dazu mindestens Android 7 oder iOS 11.0. Ich empfehle, dass du deine Software-Version prüfst, denn für mich bedeutet es, dass ich mir ein neues Mobiltelefon kaufen müsste ... (zugegeben, ich habe nicht mehr das neuste :-)

Üben mit der Aerophone-mini-Plus-App

Die App zum Aerophone mini dient aber nicht nur zur Sounderweiterung, sondern hat weitere nützliche Funktionen:

Übungssongs und Tutorials

Elf Tutorials mit Übungssongs sind in der App gespeichert. Wenn du diese Songs abspielst, werden die gespielten Noten mit den Fingersätzen auf dem Bildschirm deines Mobiltelefons abgebildet. Anpassen kannst du natürlich auch das Tempo der Songs, um eine Melodie in einer langsameren Geschwindigkeit üben zu können.

Wie es sich heute "gehört", sammelt die App dabei Daten (selbstverständlich nur, um dich beim Üben zu unterstützen ;-). Weil deine Fingersätze aufgezeichnet werden, gibt dir die App Tipps, wie du deine Technik verbessern kannst. Und wenn du besonders präzise gespielt hast, erhälst du eine "Medaille". Wie hilfreich das für dich tatsächlich ist und wie stark du dadurch motiviert wirst, musst du selber für dich herausfinden.

Zu Lieblingssongs spielen

Die App des Aerophone mini kannst du auch mit der Musikbibliothek auf deinem Mobiltelefon verknüpfen. Du kannst dadurch deine Lieblingssongs über die App abspielen und gleichzeitig mit dem Aerophone mini mitspielen. Um zu üben, kannst du über die App auch das Tempo des Songs verändern, einzelne Abschnitte wiederholen lassen oder gar die Gesangsstimmen über eine "Cancel-Funktion" unterdrücken, wenn du die Hauptmelodie nur mit dem Aerophone mini spielen willst. Sauberer und einfacher dürfte Letzteres jedoch funktionieren, wenn du zu einer bereits als Karaoke-Version ausgelegten Song-Variante mitspielst.

Aerophone mini konfigurieren

Mit der App des Aerophone mini kannst du auch die Einstellungen nach deinen Wünschen konfigurieren. So kannst du in der App die Empfindlichkeit des Anblas-Sensors verändern, den Hall (Reverb) einstellen, wozu wie beim Anblas-Sensor fünf Stufen zur Verfügung stehen, oder die Tonart verändern (Transponieren).

Wer mit dem vorgespeicherten Fingersatz der Blockflöte nicht zufrieden ist, kann über die App aber auch mehrere eigene Fingersätze programmieren. Falls du dich für die Griffsysteme bei unterschiedlichen elektronischen Blasinstrumenten interessierst, habe ich diesem Thema hier einen eigenen Blogarktikel gewidmet.

Tonumfang des Aerophone mini

Auf der Rückseite des Aerophone mini gibt es zwei Oktavtasten, die du mit dem Daumen der linken Hand bedienen kannst. Drückst du keine der Tasten ,erklingt die Standardoktave. Mit den Oktavtasten kannst du jeweils eine Oktave nach unten und eine Oktave nach oben verschieben. Insgesamt ist mit dem Aerophone mini als ein Tonumfang von rund 3 Oktaven möglich. Die Oktave wird über Oktavtasten mit dem Daumen der linken Hand gewechselt.

Dieser Tonumfang ist für Anfänger völlig ausreichend und entspricht ungefähr dem Umfang des Mittelklasse-Modells Aerophone GO. Mit dem Aerophone AE-10 sind hingegen bis zu 8 Oktaven möglich.

Interne/externe Lautsprecher und Kopfhörer

Integriert im Aerophone mini ist ein 1.5-Watt-Lautsprecher (wie beim AE-05; das AE-10 hat zwei). Wie bei den anderen Aerophone-Modellen ist dazu festzuhalten, dass du von diesem Lautsprecher keine Klangerlebnisse erwarten darfst. Ich schätze es (beim AE-10) allerdings sehr, dass ich das Instrument einfach anschalten und loslegen kann, ohne zuerst Kopfhörer oder externe Boxen anschliessen zu müssen. Dies taugt aber natürlich nur, um zu Hause zu üben und vielleicht knapp noch, um das Instrument der Familie vorzuführen. Sobald das Publikum grösser ist, kommst du um externe Boxen nicht herum. Wenn du nur für dich spielen willst, kannst du über die entsprechende Phones/Output-Buchse natürlich auch einen Kopfhörer anschliessen.  

MIDI-Funktion bei Aerophone mini

Das Aerophone mini verfügt über eine Bluetooth-MIDI-Funktion. Du kannst also via Bluetooth MIDI-Daten übermitteln und so einen beliebigen Software-Synthesizer steuern, was die Einsatzmöglichkeiten des Blaswandlers erheblich erweitert.

Achtung beim Batterie-Kauf für das Aerophone AE-01

Das Aerophone mini kann mit einem USB-Netzteil an die Steckdose angeschlossen werden oder mit 4 AA-Batterien betrieben werden. Allerdings ist nur ein USB-Kabel im Lieferumfang enthalten. USB-Netzteil oder Batterien fehlen. Bei den Batterien musst du zudem darauf achten, dass du NiMH-Batterien kaufst. Laut Angaben von Roland funktioniert das Aerophone AE-01 nicht mit Zink- oder Alkaline-Batterien. Ein Satz NiMH-Batterien reicht laut Hersteller für 10 Stunden Spielzeit.

Ich finde es etwas bemühend, wenn ein Produkt nicht einsatzfähig geliefert wird, auch wenn es nur Batterien sind. Ich wäre auf jeden Fall frustriert, wenn ich in freudiger Erwartung mein neues Aerophone mini auspacke und dann feststelle, dass ich zuerst noch Batterien organisieren muss. Fünf Franken/Euro mehr für das Instrument und dafür ein Pack mitgelieferte Batterien wäre aus meiner Sicht eine bessere Lösung. 

Fazit: Einsteigermodell für Anfänger

Das Aerophone mini ist eine preiswerte Option für dich (ca. 300 Euro), falls du testen willst, ob dir das Spielen mit einem Blaswandler Spass macht und du nicht gleich ein Profi-Modell kaufen willst. Auch wenn du noch kein Instrument spielst, kannst du mit dem Aerphone mini einfacher deine ersten musikalischen Schritte machen als mit Blaswandlern, die technisch mehr draufhaben.

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Nur weil das Instrument einfach zu bedienen ist und in der App Übungslektionen mitgeliefert werden, bedeutet dies aber nicht, dass man als blutiger Anfänger schneller zum Profi wird als mit einer analogen Blockflöte – hier solltest du dich von der Marketing-Maschinerie von Roland nicht zu stark um den Finger wickeln lassen. Aus meiner Sicht ist für musikalische Anfänger eine gute Lehrperson und regelmässiges Üben viel wichtiger als die Wahl des Instruments. Und leider ist es nun halt so, dass es Blockflötenlehrer wie Sand am Meer gibt, Blaswandler-Lehrer fast keine.

Falls du ein Einsteigermodell einer renommierten Instrumentenfabrik (was Roland ist) suchst, liegst du mit einem Aerophone mini sicherlich nicht falsch. Mittel- bis langfristig kannst du dann immer noch auf Aerophone GO, Aerophone AE-10EWI5000 oder Sylphyo aufrüsten.