Das AKAI EWI4000S kam im Jahr 2006 auf den Markt. Es war der erste Blaswandler von AKAI mit einem integrierten Soundmodul. Obwohl das EWI4000S zu den beliebteren Blaswandlern gehörte, ist der Vorgänger des EWI5000 auf der deutschsprachigen AKAI-Website nur noch im Produktarchiv zu finden, wird also nicht mehr produziert.

Das EWI4000S wurde von AKAI professional angepriesen als "Holzblasinstrumenten-MIDI-Controller" mit integrierten Effekten und einer integrierten Klangerzeugung. Weil das EWI4000S eine eigene Soundbibliothek hat, kann das elektronische Blasinstrument direkt mit einem externen Verstärkersystem verbunden werden. Wer nicht die internen Sounds des EWI4000S nutzen will, sondern auf eigene Software-Instrumente zurückgreifen will, kann den Blaswandler aber genau so gut als reinen MIDI-Controller nutzen. In diesem Modus sendet das EWI4000S lediglich MIDI-Signale, die dann von der entsprechenden Software auf dem Computer oder von einem externen Soundmodul in Klänge umgewandelt werden.

EWI4000S mit internen Sounds spielen

Soundbibliothek mit 80 Sounds

Die interne Soundbibliothek des EWI4000S enthält standardmässig 100 Sounds, wobei die Sounds 81 bis 100 identisch mit den ersten zwanzig Sounds sind. Alle Speicherplätze können mit eigenen Klängen überschrieben werden, wenn man will. In der Soundbibliothek findet man in erster Linie synthetische Sounds mit Namen wie "Singing Saw", "Pulse Brass" oder "DuckSauce". Das EWI4000S hat also nicht den Anspruch, akustische Blasinstrumente möglichst naturgetreu nachzuahmen. Hier unterscheidet es sich von seinem Nachfolger, dem EWI5000, das viele Holz- und Blechbläsersounds enthält (siehe auch meine Beispiele zu EWI5000-Sounds).

Klangerzeugung mit internem Synthesizer

Erzeugt werden die im EWI4000S gespeicherten Klänge mit einem "Analog Modelling Syntheziser" von Akai. Das EWI4000S eröffnete mit diesem internen Soundmodul erstmals die Möglichkeit, den Blaswandler zu spielen, ohne einen externen Synthesizer anschliessen zu müssen. Für viele war dies natürlich eine entscheidende Weiterentwicklung innerhalb der EWI-Serie von Akai. 

Der EWI4000S-Synthesizer hat zwei Oszillatoren, womit Schwingungen erzeugt werden. Diese Wellenformen (z. B. Dreiecks- oder Sägezahnwelle), dienen als Basis für den jeweiligen Sound. Im Zusammenspiel mit den zwei Filtern des "Analog Modelling Synthesizers", kann das EWI4000S-Soundmodul unzählige Klänge erzeugen. Mit den Filtern werden einfach gesagt bestimmte Frequenzen aus dem Klang herausgefiltert (z. B. bestimmte Obertöne), was die Charakteristik eines Klangs deutlich verändert. Weitere Soundeffekte beim EWI4000S werden zum Beispiel über Reverb, Delay oder Chorus gesteuert.

Interne Sounds bearbeiten

Wer sich kreativ austoben will, kann die internen Sounds und Effekte des EWI4000S auch bearbeiten. Dazu benötigt man den Soundeditor Vyzex, den Akai zum Download zur Verfügung stellt. Zur Kommunikation zwischen dem Computer und dem EWI4000S wird ein MIDI-Kabel benötigt. Sind die Geräte miteinander verbunden, können die Sounds des EWI4000S mit dem Soundeditor einzeln bearbeitet werden. Zum Beispiel können mit dem Editor die Einstellungen der obengenannten Oszillatoren und Filter verändert werden, um den Klang an den eigenen Geschmack anzupassen.

Externe Lautsprecher nötig

Wenn du das EWI4000S einschaltest, ist es im sogenannten Play-Mode. Obwohl du dabei auf die soeben angesprochenen internen Sounds zurückgreifst, hörst du noch nichts, wenn du in das Instrument bläst. Weil es keine eigenen Lautsprecher hat (wie zum Beispiel das Aerophone AE-10 von Roland) muss der Blaswandler von Akai an ein Lautsprechersystem angeschlossen werden, damit du akustisch mitverfolgen kannst, was du spielst. Zur Verfügung steht einerseits ein Line-Ausgang mit einem 6.3-Millimeter-Klinkenschluss. Mit dem entsprechnden Kabel kann das EWI4000S mit einem Mischpult oder einem Verstärker verbunden werden. Wenn du kein Publikum hast und nur du dich hören willst, gibt es auf der Rückseite des Instruments anderseits eine 3,5-Millimeter-Stereoklinkenbuchse, wo ein Kopfhörer angeschlossen werden kann.

Drahtlos Audio für EWI4000S

Drahtlos kann das EWI4000S nicht von Haus aus betrieben werden. Allerdings kann ein drahtloses Audioübertragungssystem mit Empfänger und Sender angeschlossen werden, zum Beispiel ein Alesis GuitarLink. Damit ist die kabellose Audioübertragung möglich. Achtung: für drahtloses MIDI benötigt man ein anderes System (siehe unten).

Das EWI4000S als MIDI-Controller 

Wem die internen Sounds des EWI4000S nicht genügen, kann den Blaswandler auch als MIDI-Controllern nutzen und damit die Möglichkeiten zur Sounderzeugung erweitern. Dabei wird das EWI4000S über den fünfpoligen MIDI-Out-Anschluss zum Beispiel an eine externes MIDI-Soundmodul angeschlossen, welches dann für den Sound zuständig ist.

Wer das EWI4000S als drahtlosen MIDI-Controller verwenden will, muss sich dazu ein Wireless-MIDI-System zusätzlich kaufen, zum Beispiel den Wireless MIDIJet Pro.

Ob MIDI über Kabel oder MIDI drahtlos, das EWI4000S überträgt in diesem Modus keinen Sound, sondern nur MIDI-Befehle, die vom externen Soundmodul zu einem Klang weiterverarbeitet werden. Damit das EWI4000S und das Soundmodul oder der MIDI-Sequenzer miteinander kommunizieren können, sind diverse Einstellungen notwendig. Wichtig ist unter anderem, dass beide Geräte denselben MIDI-Kanal nutzen. Wenn das EWI4000S also über den MIDI-Kanal 1 Daten sendet, muss das externe MIDI-Gerät ebenfalls Kanal 1 eingestellt haben, damit es darauf reagiert. 

Wer das EWI4000S sowieso nur mit externe Sounds spielen möchte, die interne Klangerzeugung also überhaupt nicht braucht, kann natürlich auf das EWI USB zurückgreifen (ebenfalls aus dem Hause AKAI), das als reiner MIDI-Blascontroller ohne integrierte Soundbibliothek konzipiert (und deshalb auch günstiger) ist bzw. war, als noch beide Geräte von Akai produziert wurden.

Griffsysteme und Tasten des EWI4000S

Berührungsempfindliche Tasten

Das EWI4000S orientiert sich in Form und Tastenanordnung am Saxophon und der Klarinette. Das EWI4000S verfügt dabei nicht über mechanische Tasten und Klappen, sondern über berührungsempfindliche Metallknöpfe. Dies ist für neue Blaswandler-Musikanten sicher etwas gewöhnungsbedürftig: einerseits, weil sich nichts bewegt, andererseits weil das Instrument in bestimmten Fällen möglicherweise unsauber auf die Berührungen reagiert. Dies kann zusammenhängen mit Temperaturänderungen, statischer Aufladung oder Feuchtigkeit. Grundsätzlich ist die Empfindlichkeit der Tasten aber ab Werk bereits gut eingestellt und funktioniert auch zuverlässig. 

An diesem bewährten System hat AKAI auch bei den neueren Modellen, wie beim EWI5000, festgehalten. 

Mehrere Fingersätze konfigurierbar

Beim EWI4000S können verschiedene Fingersätze ausgewählt werden, die an die Griffsysteme von akustischen Blasinstrumenten angelehnt sind. Zur Auswahl stehen unter anderem ein Saxophon-Fingersatz, ein trompetenähnlicher Fingersatz (EVI = electronic vavlve instrument) oder ein auf den Blaswandler optimierter Fingersatz (EWI = electronic wind instrument). Mehr dazu siehe: Welche Fingersätze bei Blaswandlern gibt es?

Mit den ebenfalls berührungsempfindliche Oktavrollen auf der Rückseite des EWI4000S, welche mit dem linken Daumen bedient werden, ist ein Umfang von ca. 8 Oktaven mit dem elektronischen Blasinstrument spielbar.

Verschiedene Sensoren im Mundstück

Damit das EWI4000S möglichst ähnlich wie ein akustisches Blasinstrument gespielt werden kann, sollte es natürlich auch ähnlich funktioneren. Akai stellt dies sicher mit verschiedenen Sensoren, zum Beispiel einem Anblassensor und einem Biss-Sensor

Blas-Sensor im EWI4000S

Im Mundstück des EWI4000S ist ein Breath-Sensor verbaut, welcher die Luftdruckstärke misst. So erkennt der Blaswandler, wie stark du in das Instrument bläst und ob du ein Crescendo oder Decrescendo spielen möchtest. Bei einigen Sounds beeinflusst die Blasstärke nicht primär die Lautstärke, sondern bewirkt eine Veränderung des Klangs. Der Blas-Sensor erkennt selbstverständlich auch, wenn ein Ton mit der Zunge angestossen wird, denn dabei erfolgt ein kurzer Unterbruch des Anblasstroms.

Biss-Sensor im EWI4000S

Mit dem Bis-Sensor im EWI4000S kann beipielsweise eine Vibrato erzeugt werden, indem wiederholt und in schneller Folge stärker und weniger stark auf das Mundstück gebissen wird. Dieses Beispiel zeigt auch schön den Ansatzunterschied zwischen EWI4000S und einem Saxophon oder der Klarinette. Das EWI4000S-Mundstück wird idealerweise zwischen die Zähne geklemmt wird. Das Mundstück beim Saxophon kommt hingegen nur mit den Zähnen des Oberkiefers in Berührung. Beim Unterkiefer liegt das Saxophonmundstück auf den Lippen, die über die Zähne gestülpt sind.

Stromanschluss und Batterie

Das EWI4000S benötigt auch eine Stromquelle, damit es funktioniert. Wer das elektronische Blasinstrument nicht ständig über einen AC-Adapter an die Steckdose anschliessen will, kann beim EWI4000S im Batteriefach 44 AA-Batterien (einweg oder wiederaufladbar) einlegen. Gemäss der Bedienungsanleitung des EWI4000S verspricht AKAI ein durchgehendes Spielen von 8 Stunden (ohne Kopfhörerbenutzung), bevor die Batterien gewechselt werden müssen.

Fazit: ein kompletter Blaswandler

AKAI hat mit dem EWI4000S aus meiner Sicht einen ausgereiften Blaswandler konstruiert, der sowohl mit einer eigenen Soundbibliothek aufwartet, als auch als MIDI-Controller eingesetzt werden kann. Man erhält als Blaswandler-Spieler damit unzählige Einsatzmöglichkeiten. Da das elektronische Blasinstrument aber nicht mehr neu hergestellt wird, muss man sich entweder mit einem gebrauchten Instrument zufrieden geben oder dann auf die zwei aktuellsten Modelle von AKAI zurückgreifen: das nur als MIDI-Controller einsetzbare EWI USB oder das EWI5000, welches einen ähnlichen Funktionsumfang bietet wie das EWI4000S, allerdings bei der Soundbibliothek auf Samples (Aufnahmen realer Instrumente) und nicht auf Software-Instrumente setzt.